Spülung von Klimaanlagen

Nicht mit "Rohrfrei" reinigen

Die Auswahl der Methode, Klimaanlagen zu spülen, ist heikel - eine Entscheidungshilfe.
Ein wichtiges Thema beim Klimaservice ist das Spülen von Klimaanlagen.
Derzeit gibt es verschiedene Möglichkeiten und Geräte, die man für unterschiedliche Anwendungsfälle einsetzen kann.
Nach Angaben von SPX Robinair, einem Hersteller von Klimaservicegeräten, gibt es von Seiten der Fahrzeug- und Komponentenhersteller keine Methode, die für alle Probleme und Fahrzeuge greift.
Diese Situation ist verwirrend. Die Entscheidung, welche Spülmethode und Geräteausstattung man wählen muss, um die Klimaanlage zu spülen, bleibt heikel.

Was versteht man eigentlich unter dem Spülen von Klimaanlagen?
Hierbei entfernt man die schädlichen Substanzen und Verunreinigungen aus dem Kältekreislauf. Diese Rückstände kann man im Rahmen der üblichen Wartung nicht oder nur unzureichend entfernen. Das Spülen dient dem Schutz aller Komponenten der Klimaanlage, speziell des Kompressors.Welche schädlichen Substanzen oder Verunreinigungen gibt es?

Feuchtigkeit
Luft= Metallteilchen
Falsche oder vermischte Öle
Schmutz
Gummi

Warum soll man spülen?
Aus der Sicht der Werkstatt:
So lassen sich teure Wiederholungsreparaturen vermeiden.
Bietet gute Chancen, die Kundenzufriedenheit und Kundentreue zu erhöhen.
Man vermeidet Probleme bei der Garantiekostenabwicklung mit Lieferanten von Klimaanlagenkomponenten.
Der Kfz-Betrieb erweitert den Geschäftsbereich "Klimaservice".Aus der Sicht des Kunden:
Die Kühlleistung von Klimaanlagen erhöht und optimiert sich.

Man kann die Klimaanlage mit drei verschiedenen Methoden spülen:
1 . ) S t i c k s t o f f Anwendung:
Die Komponenten werden mit ca. 10 bis 15 bar ausgeblasen und getrocknet.
Vorteile:
Die Kosten für das Spülmedium sind gering.
Der Stickstoff läßt sich rückstandslos aus dem System entfernen.
Es entstehen keine Entsorgungskosten.Nachteile:
Der Stickstoff löst beim Spülen nur lose Teilchen aus den Komponenten, hat aber keine Reinigungswirkung.
Die Menge des entfernten Öls ist nur schwer messbar.
Man kann jeweils nur einzelne Komponenten spülen.
Bei der Methode entstehen im Verhältnis zum Ergebnis hohe Kosten durch den Aus- und Einbau der Komponenten.

2 . ) M i t c h e m i s c h e n M i t t e l n Anwendung:
Hierbei spült man chemische Reinigungsmittel durch die Komponenten.
Derzeit hat nur eine Spülflüssigkeit eine Hersteller-Freigabe: das Mittel "Power Flush Solvent" des Herstellers Robinair.

Vorteile:
Sehr gute Reinigungswirkung
Entfernt auch festsitzende und ausgehärtete AblagerungenNachteile:
Hohe Kosten für die Spülflüssigkeit

Das Reinigungsmittel kann man nur einmal verwenden. Die verbrauchten Mittel muss man entsorgen.
Die chemischen Mittel können Dichtungen und Leitungen angreifen.
Man kann nur einzelne Komponenten spülen.
Beim Aus- und Einbau der Teile entstehen hohe Kosten.
Die Menge des entfernten Öls ist nur schwer messbar.
Für eine komplette Spülstation ist eine Investition von etwa 3500 Euro nötig.
Um die Spülflüssigkeit vollständig aus den Komponenten zu entfernen, entsteht ein hoher Arbeitsaufwand.

3 . ) M i t K ä l t e m i t t e l n Anwendung:
Beim Spülen mit Kältemittel wird heute meistens flüssiges R134a verwendet.
Um mit Kältemittel zu spülen, benötigt man spezielle Vorrichtungen und Adapter.
Moderne Klimaservicegeräte kann man für das Spülen mit Kältemittel R134a nachrüsten.
Vorteile:
Es sind keine zusätzlichen Reinigungsmittel erforderlich.
Diese Methode eignet sich gut, um das Öl aus dem System zu entfernen.
Es entstehen keine Probleme mit Kompressor- und Klimaanlagenhersteller, da man das gleiche Spülmedium benutzt, welches sich in der Anlage befindet.
Das Kältemittel wird über das Klimaservicegerät recycelt und kann wieder eingesetzt werden.
Es gibt keine schädlichen Auswirkungen auf Dichtungen und Komponenten.
Man kann das komplette Klima-System spülen.Nachteile:
Nur geringe Reinigungswirkung
Löst nur lose Teilchen aus dem SystemDie Reinigung einer Klimaanlage funktioniert wie folgt:
Unabhängig davon, für welche der drei Reinigungsvarianten man sich entschieden hat, ist der Spülvorgang gleich. Vor der Spülung überprüft man, ob das System mit einem Expansionsventil oder einer Festdrossel ausgerüstet ist. Danach demontiert man den Kompressor und -je nach System- Leitungsfilter, Filtertrockner, Festdrossel oder Expansionsventil, da diese nicht gespült werden können. Das Kühlsystem teilt man anschließend in Hoch- und Niederdruckseite und montiert die entsprechenden Adapter. Durch die verschiedenen Anschlussmöglichkeiten der Adapter kann der Mechaniker einzelne Bereiche der Klimaanlage spülen. Beispielsweise kann man einen Kompressoradapter und einen Universaladapter installieren, um die Leitung zwischen Verdampfer und Kondensator zu spülen oder nur die Niederdruckseite der Klimaanlage reinigen.Um eine Beschädigung der neu eingebauten Komponenten vorzubeugen, empfehlen viele Fahrzeughersteller, die Anlage mit zusätzlichen Filtern auszurüsten. Diese Filter sind eine einfache Art, um verbleibende Partikel aufzufangen. Um das Expansionsventil und den Verdampfer zu schützen, gibt es Leitungsfilter, die man in die Hochdruckleitung einbaut. Die beste Stelle ist zwischen Trockner und Expansionsventil oder Festdrossel. Eine Alternative für den Filter an der Saugseite ist ein Filter in der Schlauchkupplung zum Kompressor.