Der Kfz-Fachmann hat beim Diesel-Pkw zunehmend mit dem Reduktionsmittel AdBlue zu tun – es kommt bekanntlich für die Abgasnachbehandlung in Fahrzeugen mit SCR-Systemen zum Einsatz. Für viele Mechatroniker ist der Umgang mit AdBlue aber immer noch Neuland. Deshalb gibt KRAFTHAND Informationen zur Lagerhaltung sowie Praxistipps für die sichere Handhabung.



Künftige Abgasnormen, insbesondere die nächstes Jahr in Kraft tretende Euro-6-Norm, fordern ein drastisches Absenken der NOX-Emissionen bei Diesel-Pkw. Bisher verwendete innermotorische Maßnahmen sind bei großvolumigen Pkw-Dieselaggregaten dafür in der Regel aber nicht mehr ausreichend. Die bereits seit 2004 aus der Nutzfahrzeugtechnik bekannte Abgasnachbehandlung, die SCR-Technologie (KRAFTHAND berichtete ausführlich zum Thema in den Ausgaben 15/2012 und 16/2012), wird deshalb vermehrt auch bei Pkw und Transportern angewendet. Für den Einsatz dieser Technologie spricht zudem, dass sie im Gegensatz zu innermotorischen Maßnahmen zur NOx-Reduzierung, wie die Abgasrückführung mit hohen Rückführraten, keinen Einfluss auf Ölwechsel- beziehungsweise Wartungsintervalle nimmt.

Für die selektive katalytische Reduktion (SCR – selective catalytic reduction) spielt das Reduktionsmittel AdBlue eine zentrale Rolle. Bei der Flüssigkeit handelt es sich um eine wässrige, synthetisch hergestellte 32,5 prozentige Lösung von hochreinem Harnstoff in demineralisiertem Wasser. Für die Umwelt oder den Menschen gilt die Chemikalie in handelsüblichen Mengen als unschädlich. Demnach ist AdBlue, im Fachjargon häufig als Harnstofflösung bezeichnet, laut Sicherheitsdatenblatt gemäß 91/155/EWG auch kein Gefahrgut im Sinne des Transportwesens. Im Werkstattalltag sollte der Kfz-Profi im Umgang damit dennoch einige sicherheitsrelevante Punkte beachten.

Das Reduktionsmittel AdBlue ist durch seine niedrige Viskosität extrem kriechfähig. Schon geringste Undichtigkeiten an Bauteilen und Dichtstellen führen zum Austritt der korrosiv wirkenden Flüssigkeit. Bei Demontagearbeiten am SCR-System sollte der Kfz-Profi deshalb auf höchst mögliche Sauberkeit achten. Selbst kleinste Schmutzpartikel führen aufgrund der hohen Kriechfähigkeit zu Undichtigkeiten und zu weiteren Folgeschäden durch Korrosion. Das ist auch der Grund, warum AdBlue nicht auf Steckverbindungen, in Leitungsstränge oder in andere unzugängliche Zwischenräume gelangen darf. Sollte es dennoch einmal passieren, muss der Werkstattprofi sämtliche Bauteile, die mit AdBlue in Berührung gekommen sind, gründlich mit reichlich Wasser spülen. Gleiches gilt natürlich auch für Werkzeuge und für Prüfmittel unmittelbar nachdem sie benutzt wurden.


Servicerelevant

Bei allen Pkw ist das Volumen der Ad-Blue-Vorratsbehälter auf die Wegstrecke eines Wartungsintervalls ausgelegt. Da das Reduktionsmittel allerdings in Abhängigkeit vom Kraftstoffverbrauch vom SCR-System dosiert wird, kann je nach Fahrprofil des Kunden ein Nachfüllen auch zwischen den Inspektionsintervallen erforderlich sein. Dann wird dem Fahrer die noch verbleibende Reststrecke im Kombi-Instrument angezeigt. Kommt er der Aufforderung nicht nach oder ignoriert diese, ist bei Unterschreiten eines definierten Mindestfüllstands im AdBlue-Tank kein Motorstart mehr möglich. Das schreibt die Euro-6-Norm vor. Tritt dieser Fall ein, genügt es nicht, den leergefahrenen Vorratsbehälter für die Harnstofflösung vollständig zu füllen, vielmehr muss der Werkstattfachmann anschließend mit Hilfe eines Diagnosetesters auch die Startsperre im Motorsteuergerät deaktivieren.


Lagerung und Temperaturverhalten

Beim Lagern von AdBlue sollte der Kfz-Profi darauf achten, das Produkt nicht zu hohen Temperaturschwankungen auszusetzen. Hierzu muss man wissen: Der Gefrierpunkt der Chemikalie liegt bei – 11 °C. Und bei zu hohen Temperaturen, etwa ab 30 °C, kommt ein Prozess in Gang, der das enthaltene Ammoniak zersetzt. Um die Qualität von AdBlue zu erhalten und eine optimale Lagerdauer zu erreichen, darf laut Angaben der Hersteller deshalb die Temperatur im Lagerraum 25 °C nicht überschreiten. Unter dieser Voraussetzung ist AdBlue bis zu 12 Monate nach Produktionsdatum haltbar.

Vor diesem Hintergrund sollte der Werkstattprofi seinen Kunden empfehlen, AdBlue-Kanister oder entsprechende Nachfüllbehältnisse nicht über mehrere Tage im Fahrzeuginnenraum, der sich durch Sonneneinstrahlung aufheizen kann, mitzuführen. Das Produkt wird dadurch nicht unbrauchbar, es könnte jedoch zu unangenehmer Geruchsbildung und vor allem zu Qualitätseinbußen der Harnstofflösung kommen.

Zu beachten ist außerdem, dass Behältnisse oder etwa Trichter, die mit Schmier- oder Kraftstoffen in Kontakt kamen, nicht dafür benutzt werden dürfen, um AdBlue zu lagern oder einzufüllen. Weitere Hinweise zur Handhabung und zur Lagerung von AdBlue geben zudem entsprechende Sicherheitsdatenblätter der einzelnen Hersteller. Im Übrigen sollte der Werkstattfachmann die beim Umgang mit Chemikalien gebotenen Vorsichts- und arbeitshygienischen Schutzmaßnahmen beachten.


Quelle: Krafthand 19/2013 - Autor: Johann März