Batteriewechsel bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-Funktion



Die Wahl der richtigen Ersatzbatterie spielt bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-Funktion eine sehr wichtige Rolle. amz erklärt die Hintergründe und zeigt, was bei solchen Fahrzeugen im Rahmen des Batteriewechsels zu beachten ist.

Das Austauschen der Batterie war für den Kfz-Profi früher eine leichte Übung. Erst den Minus-Pol lösen, dann den Plus-Pol. Jetzt noch die Halteklammer abschrauben und schon konnte die alte Batterie entnommen und die neue in umgekehrter Reihenfolge wieder eingebaut werden. Doch mit dem Einzug komplexer Bordnetzsysteme bei neueren Fahrzeugmodellen hat sich vieles geändert. Selbst bei so einfachen Tätigkeiten wie dem Batteriewechsel muss der Fachmann mittlerweile zahlreiche Details beachten, damit die Bordelektronik zuverlässig arbeiten kann. Das betrifft vor allem Fahrzeuge mit Start-Stopp-Funktion. Hier spielt das Batteriemanagement und die Batterie selbst eine zentrale Rolle für das Aktivieren der kraftstoffsparenden Funktion.

Zyklenfeste Batterien


Immer mehr Fahrzeughersteller verbauen bei neuen Modellen ein Start-Stopp-System. Im NEFZ-Zyklus bringt es eine Kohlendioxid-Einsparung von bis zu acht Prozent. Da es größtenteils auf bereits im Fahrzeug vorhandene Sensoren zurückgreift, lässt es sich vergleichsweise einfach und kostengünstig realisieren. Führende Zulieferunternehmen gehen davon aus, dass die Start-Stopp-Funktion bei Neufahrzeugen in den nächsten Jahren zum Standard wird.

Voraussetzung für das Realisieren dieser spritsparenden Funktion ist vor allem eine leistungsfähige und zyklenfeste Batterie. Daher werden bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-System ausschließlich EFB- (Enhanced Flooded Battery) oder AGM-Batterien (Absorbent Glass Mat) eingesetzt. Letztere finden vor allem bei Start-Stopp-Systemen mit Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation) Verwendung. Im Schiebebetrieb wird der Generator so angesteuert, dass er einen hohen Ladestrom liefert. Das verstärkt das Motorbremsmoment. In Rekuperationsphasen liefert der Generator dann bis zu 16 Volt. Klassische Blei-Säure-Batterien sind nicht in der Lage, kurzzeitig hohe Ladeströme aufzunehmen und sie kämen bei diesen Voraussetzungen sehr schnell in den Gasungsbereich.


Sorgfalt bei der Batterieauswahl


Deshalb spiel die richtige Wahl der Ersatzbatterie bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-Funktion eine sehr wichtige Rolle. Sollte die Werkstatt an Stelle der Start-Stopp-Batterie eine konventionelle Starterbatterie verbauen, werden die Start-Stopp-Funktionen beeinträchtigt. Zudem ist das Risiko für den Ausfall des Energieträgers innerhalb weniger Monate besonders hoch. Deshalb muss der Kfz-Fachmann beim Batterie-Wechsel an Fahrzeugen mit Start-Stopp-System darauf achten, dass ausschließlich vom Hersteller freigegebene Batterien verwendet werden. Generell gilt: AGMBatterien dürfen nur durch AGM-Batterien ersetzt werden. EFB-Batterien können durch EFB- oder AGM-Batterien ersetzt werden.


Anlernen von Start-Stopp-Batterien

Zudem muss eine neue Batterie bei vielen Fahrzeugen mit Start/Stopp-System angelernt werden. Dafür benötigt der Fachmann einen geeigneten Diagnosetester für die Steuergerätekommunikation. Beim Anlernen einer neuen Batterie kann man aber leider nicht von einem herstellerübergreifend einheitlichen Vorgang sprechen. Jeder Fahrzeughersteller verfolgt hier seine eigene Philosophie. Bei den einen werden lediglich die Adaptionswerte zurückgesetzt. Bei anderen können zusätzlich die technischen Daten der Batterie wie zum Beispiel die Kapazität oder die Produktnummer neu programmiert werden. Bei einigen Fahrzeugmodellen von Audi zum Beispiel müssen Werkstätten sogar beim Wechsel der Batterie-Marke darauf achten, ob der jeweilige Batterie- Typ im Steuergerät hinterlegt ist. Sonst lässt sich die Batterie-Kennlinie nicht ordnungsgemäß anlernen.

Eine weitere Besonderheit im Umgang mit Batterien bei Fahrzeugen mit Start-Stopp- oder Energiemanagement-System, betrifft verschiedene Modelle von BMW. Hier muss der Werkstattfachmann eine Batterie auswählen, welche die gleiche Technologie und die gleiche Kapazität aufweist, wie die vorher verbaute. Wird eine Batterie mit einer anderen Kapazität eingebaut, kann es unter Umständen sein, dass das Motorsteuergerät neu geflasht werden muss, damit die Ladekennlinie an eine andere Batteriekapazität angepasst werden kann. Vernachlässigt das der Fachmann, wird die Batterie entweder nicht vollständig geladen oder überladen, was recht schnell zu deren Ausfall führen kann. Informationen darüber, wie im Einzelfall vorzugehen ist, finden Kfz-Fachleute in der Serviceliteratur der Fahrzeughersteller, in Werkstattinformationssystemen oder bei den Batterieherstellern.


Quelle: amz - auto|motor|tzubehör Nr. 10-2013, Autor: Richard Linzing