Ein Kunde brachte seinen PKW mit der Beanstandung in die Werkstatt, dass im Bereich von etwa 120 km/h das Lenkrad zeitweise mehr oder weniger stark vibriere. Auf den ersten Blick erschien den Mechanikern das nicht unbedingt als unlösbarer Problemfall und das Vibrieren sollte sich erfahrungsgemäß mit dem Auswuchten der Vorderräder beseitigen lassen. Beim sofort durchgeführten Nachwuchten der Räder mussten dann auch sämtliche Gewichte ersetzt und neu platziert werden. Nach einer kurzen Probefahrt durch den Werkstattmeister konnte der Kunde das Auto wieder mitnehmen.

Am darauffolgenden Tag stand der Wagen allerdings mit gleichem Symptom wieder auf dem Hof. Etwas irritiert wurde auf der Wuchtmaschine die Arbeit vom Vortag überprüft. Das Display zeigte “null Gramm”, eine Fehlwuchtung konnte also ausgeschlossen werden. Eine zusätzlich durchgeführte Sichtprüfung der Laufräder auf Höhenschlag verlief ebenfalls negativ. Selbst die anschließend durchgeführte Probefahrt auf der Landstraße (unter Einhaltung der Geschwindigkeitsvorschriften!) brachte kein greifbares Ergebnis.

Die Werkstatt erinnerte sich, dass laut Kundenaussage die Vibrationen “ziemlich genau bei 120 km/h auftreten”. So wurde auch dieser Geschwindigkeitsbereich mit dem Ergebnis überprüft, dass das Lenkrad exakt in dem angegebenen Bereich starke Schläge austeilte. Nach einer kurzen Verzögerungsbremsung verschwand dieser Effekt schlagartig, trat aber sofort nach einem Beschleunigen wieder auf. Zurück in der Werkstatt wurde auf der Hebebühne die gesamte Vorderradaufhängung penibelst auf Verschleiß oder einen anderweitigen Fehler überprüft, es wurde jedoch nichts dergleichen gefunden.

Quasi mit dem Mut der Verzweiflung entschloss sich die Werkstatt, die Reifen von den Felgen zu montieren, um auch diese einer genaueren Inspektion unterziehen zu können. Das Erstaunen war groß, als beim Abdrücken des rechten Vorderradpneus gut ein halber Liter Wasser austrat! Doch woher kam das Wasser? War vielleicht der Reifen undicht, so dass bei Regen Wasser eindrang? Lustig, aber natürlich technisch unmöglich! Das Wie, Wann und Wodurch dieses “flüssige Unwuchtmittel” in den Reifen gelangte, konnte nicht eindeutig nachvollzogen werden. Aber vermutlich hatte der Kunde beim letzten Korrigieren des Luftdrucks eine Druckluftanlage erwischt, bei der sich beträchtliche Menge Kondenswasser in der Luftleitung bzw. im Reifenfüllgerät gesammelt hatten. Nach Ausblasen mit trockener (!) Druckluft und nochmaligem Wuchten nach der Wiedermontage war die mysteriöse Unwucht endgültig beseitigt.