Ein Kunde brachte neulich sein Auto in die Werkstatt mit der Beanstandung, dass sich die Leistung seines Wagens stetig verschlechtere. Eine andere Werkstatt habe sich bereits mehrfach erfolglos um dieses Problem bemüht. Im weiteren Annahmegespräch kristallisierte sich heraus, dass vor einiger Zeit eine aufwändigere Instandsetzung am Motor durchgeführt worden war. Um weitere Details zu erfahren und die Fehlersuche zu optimieren, setzte sich die Werkstatt mit dem damaligen Reparaturbetrieb in Verbindung. Dabei erfuhr sie, dass sich der Kunde vor etwa drei Monaten wohl bei höerer Drehzahl verschaltet hatte, worauf mehrere Ventile “Feindberührung” mit den Kolben bekamen und ein neuer Zylinderkopf benötigt wurde. Nach der Instandsetzung lief das Aggregat nach deren Aussage im Leerlauf einwandfrei, entfaltete aber beim Gasgeben nicht mehr die volle Leistung. Beim obligatorischen Abfragen der Eigendiagnose war in der Motorsteuerung hin und wieder ein Fehler des Phasensensors an der Nockenwelle hinterlegt. Ein bereits durchgeführter Austausch beseitigte aber die Beanstandung nicht.

Da es sich um ein neueres Auto handelte, das schon über eine OBD verfügte, schloss die Werkstatt also ihren AU-Tester an und fragte den Fehlerspeicher ab. Der Fehler “Phasensensor unter unterem Wert” war tatsächlich auch in diesem Fall nachvollziehbar. Allerdings konnten die Mechaniker mit dieser Aussage auf Anhieb zuerst nicht allzuviel anfangen. Deshalb überprüften sie den Phasensensor mit dem Oszilloskop. Nach dem Starten des Motors zeigte sich ein tadelloses Signal auf dem Monitor. Aus diesem Grunde schieden der Sensor und sein Tonrad (Geberrad) für die Werkstatt als Allein-Ursache aus. Es lag nahe, dass die Steuerzeiten nicht stimmten. Da dieser Motor nicht mehr über die bisher üblichen Markierungen verfügte, besorgte die Werkstatt sich zur Überprüfung das erforderliche Spezialwerkzeug. Mit diesem wurde unter Zuhilfenahme einer Messuhr der Kolben des ersten Zylinders auf OT justiert und die Mechaniker stellten zu ihrem Erstaunen fest, dass die Schablone zum Fixieren der Nockenwelle, an welcher der Phasensensor seinen Abgriff hatte, genau in die vorgesehen Aussparung am Wellenende passte. Nach einigem Grübeln und nochmaliger genauer Prüfung der Spannungsversorgung des Sensors entschloss sich die Werkstatt zu einer nochmaligen Probefahrt, bei der das träge Fahrverhalten wieder eindeutig auftrat. Es erinnerte stark an eine viel zu spät eingestellte Zündung. Zurück in der Werkstatt kam den Mechanikern der Gedanke, dass bei der vorausgegangenen Reparatur eventuell das Geberrad des Drehzahlsensors nicht in der richtigen Stellung angebracht worden war. Doch der Stift passte genau. Dennoch wurde es ausgebaut, um zusätzlich auch das Kurbelwellenrad des Zahnriemens zu prüfen. Dort hatten sie endlich den ersehnten Erfolg: Die Haltenase des Kurbelwellenrades waren abgerissen und das Rad konnte sich dadurch ein Stück auf der Welle verdrehen. Vermutlich lag die Ursache dafür in der Blockierung des Ventiltriebes bei dem vorausgegangenen “Verschaltvorgang” des Kunden. Somit war klar, dass durch das Einstellen des Ventiltriebs die Steuerzeiten zwar stimmten, der OT-Sensor dem Steuergerät aber einen falschen Wert übermittelte. Dieses wiederum löste aufgrund der Fehlinformation den Zündzeitpunkt zu spät aus, weil es in seiner Funktionslogik das Phasensensorsignal vermutlich als falsch ansah. Nach Austausch des Zahnriemenrades und erneuter Grundeinstellung lief der Motor wieder tadellos.