''Ganz klar, Hydrostößel kaputt!'' lautete die Diagnose des Werkstattmeisters nach dem Abhören des 2,4-l-Fünfzlinder-Saugdiesels. Der Kunde hatte bemängelt, dass der Motor häufig nach längerer Fahrt, vorwiegend im Leerlauf, laute Klopfgeräusche von sich gab.

Bis zu einem bestimmten Drehzahlbereich stieg das harte Klopfen mit zunehmender Motordrehzahl. Da die Laufleistung des Motors die Hunderttausendermarke schon weit überschritten hatte und der Kunde eher ein nachlässiger ''Ölwechsler'' war, lag die gemachte Diagnose nahe, zumal die Werkstatt schon öfter mit diesem Schadensbild konfrontiert wurde.
Im Kundengespräch wurde vereinbart, gleich alle zehn Hydrostößel zu ersetzen, da mit dem nötigen Ausbau der Nockenwelle der Arbeitsaufwand für einen genauso hoch war wie für alle. Außerdem, so argumentierte der Werkstattmeister weiter, hätten alle das gleiche Laufpensum hinter sich und eine spätere Nachreparatur würde eben wieder den gesamten Reparaturaufwand erfordern. Bei betriebswarmem Motor, nachdem der Kühlerlüfter wie vorgeschrieben zum zweiten Mal eingeschaltet hatte, wurde der Ventildeckel abgebaut und die Überprüfung der Hydrostößel durchgeführt, wie es der Hersteller vorsah: mit einem Kunststoffkeil wurden sämtliche Stößel bei nach oben gedrehten Nocken beaufschlagt. Ein inaktives Ventilspielausgleichselement sollte laut Vorgabe kein deutliches Leerspiel (größer als 0,1 mm), verursacht beispielsweise durch ein Luftpolster, aufweisen.
In diesem Falle konnte leider kein konkreter ''Übeltäter'' ermittelt werden. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen wusste die Werkstatt aber, dass dieses Nachgeben nicht immer eindeutig festzustellen war. Vereinbarungsgemäß wurden deshalb alle Ausgleichselemente ohne weitere Prüfungen ersetzt. Nachdem die vorgeschriebene Wartezeit von 30 min nach Einbau eingehalten wurde (um ein Aufsetzen der Ventile zu vermeiden!), wurde der Motor neu gestartet und im Leerlauf so lange drehen gelassen, bis alle Elemente mit Öl versorgt waren und der Selbstzünder ruhig lief. Nach der anschließenden längeren Probefahrt trat das beanstandete Hydrostößelklappern nicht mehr auf und die Reparatur schien erfolgreich.

Knapp eine Woche später brachte der Kunde seinen Multivan allerdings wieder mit der gleichen Beanstandung zur Werkstatt. Deutlich war wieder das hölzerne Klopfen zu vernehmen. Sicherheitshalber wurde schon bei der telefonischen Terminabsprache vereinbart, im Falle des Auftretens den Motor nicht abzustellen, damit wir das Geräusch besser diagnostizieren könnten. Der Werkstattmeister tat dies auch unmittelbar nach Eintreffen des Kunden am heftig klopfenden Motor. Mit einem technischen Stethoskop ''hörte'' er den gesamten Zylinderkopf ab und wurde in dem Bereich, wo die stößelbetätigte Membran-Unterdruckpumpe für den Bremskraftverstärker an den Kopf angeflanscht ist, fündig. Eindeutig war der ''Klopfgeist'' am Flansch der Pumpe zu hören. Die Vakuumpumpe wurde also abgeschraubt und die Stößelstange, die von der Nockenwelle angetrieben wird, aus ihrer Führung gezogen.
Bei genauer Untersuchung der Stößelstange konnte man deutliche Abnutzungserscheinungen in der Härteschicht des nockenwellenseitigen Endes erkennen. Die ballige Form des Nockenaufstandspunktes war zusehends abgeflacht und eingelaufen. Durch das so entstandene Spiel wurde der Stößel praktisch zwischen Nockenwelle und Aufstandspunkt an der Membrane hin- und hergeschleudert und verursachte so das Geräusch.
Eine plausible Erklärung dafür, warum das Klopfen nicht permanent auftrat, fand die Werkstatt allerdings nicht. Vermutlich spielen hier temperaturbedingte Längentoleranzen oder die Stellung, in der der Stößel auf der Betätigungsnocke abläuft, eine Rolle. Um auszuschließen, dass die Nockenlaufbahn auf der Nockenwelle schon gelitten hatte, demontierte die Werkstatt den Ventildeckel und inspizierte die Betätigungsnocke zwischen 2. und 3. Zylinder, konnte aber keinen Verschleiß sehen bzw. fühlen. Mit einem neuen Stößel der richtigen Länge (es gibt zwei!) konnte sie den Fehler endgültig beheben.
Ob allerdings die vorausgegangene Reparatur unbedingt nötig war, ließ sich nicht mit Sicherheit feststellen. Mit dem Sonderpreis, den der Meister dem Kunden machte, schien dieser jedenfalls zufrieden, zumal er seit dem ersten Reparaturgespräch (Thema: unregelmäßige Ölwechsel) die Sache mit den Wartungen genauer nimmt.