''Kleine Ursache, große Wirkung'': So könnte man die Ursache für den erforderlichen  -aber im nachhinein gesehen eigentlich unnötigen-  zweiten Austausch eines Bremskraftverstärkers beschreiben. Was war passiert?

Vor einigen Wochen kam ein Kunde mit seinem schon etwas älteren Kleinwagen in die Werkstatt und bemängelte einen ''steinharten'' Bremspedaldruck und gegenüber früher eine deutlich schlechtere Bremswirkung. Die Überprüfung mit der üblichen Methode  -durch mehrmaliges Betätigen des Bremspedals bei stehendem Motor eventuell vorhandenes Vakuum im Bremskraftverstärker (BKV) abbauen und beim anschließenden Starten des Motors bei festgetretenem Bremspedaldruck beurteilen-  hatte eindeutig einen defekten BKV ergeben. Wäre dieser in Ordnung gewesen, hätte das Bremspedal bei laufendem Motor deutlich nach unten sinken müssen.
Nach dem Einbau eines neuen BKV war das Problem behoben und die Bremsanlage funktionierte wieder wie gewohnt. Zumindest für einige Wochen. Dann stand der Kunde mit derselben Beanstandung wieder bei der Werkstatt ''auf der Matte''. ''BKV defekt'' lautete abermals die Diagnose des Werkstattmeisters.
Es mußte sich also um einen Bauteiledefekt, sprich um einen Gewährleistungsfall handeln. Um sich abzusichern und die Abwicklungsmodalitäten zu klären, kontaktierte unser Meister die Hotline des BKV-Herstellers. Dort erhielt er die Auskunft, dass solche Fälle leider immer wieder vorkämen und bei der anschließenden Überprüfung der Garantieteile beim Hersteller in der Regel eine defekte, weil undichte beziehungsweise poröse Unterdruckmembran festgestellt werde. Schuld an dieser Porösität sind eingetragene Kraftstoffdämpfe (beim Otto-Motor) oder Öleinlagerungen (beim Diesel-Motor mit Vakuumpumpe), die über ein defektes Rückschlagventil in den BKV gelangen. Dieses Rückschlagventil sitzt in der Unterdruckleitung zwischen Ansaugkrümmer beziehungsweise Vakuumpumpe und BKV und soll verhindern, dass sich das Vakuum abbaut, sobald der Motor abgestellt wird. Zudem soll es ein Vordringen und Kondensieren von Kraftstoff- bzw. Öldämpfen in den Membranraum und somit die Zerstörung der BKV-Membran verhindern. Dabei wäre die Funktionsprüfung dieses Ventils denkbar einfach gewesen: nach Abziehen der Unterdruckleitung riecht man am Anschluss des BKV, ob Benzindämpfe wahrnehmbar sind. Eingetragenes Öl kann man mit dem bloßen Auge erkennen.

Die ''Lehre'' der Werkstatt aus diesem Reklamationsfall: Da es sich bei dem Rückschlagventil um einen relativ preisgünstigen Artikel handelt, wird die Werkstatt dies in Zukunft bei einem Bremskraftverstärkerwechsel grundsätzlich immer mit ersetzen, um derartige Wiederholungsreparaturen erst gar nicht mehr aufkommen zu lassen. Dem Kunden kann man diese vorbeugende Maßnahme mit der entsprechenden Erklärung sicherlich plausibel machen.