'Seit einiger Zeit hat mein Auto einen sehr unrunden Leerlauf und machmal stirbt der Motor sogar ganz ab!'' Mit diesen Worten beschrieb der Kunde dem Serviceberater den Mangel an seinem deutschen Kompaktwagen. Auf weitere Nachfrage konnte geklärt werden, dass dieser Effekt nur bei betriebswarmem Motor auftrat: zwar häufig, aber nicht regelmäßig und aus Kundensicht keinen weiteren prägnanten Randbedingungen zuordenbar. Das Absterben konnte allerdings beim Rangieren auf dem Werkstatthof unter Lenkvolleinschlag -also wenn die Lenkhelfpumpe unter maximaler Last arbeitete- mehrfach provoziert und reproduziert werden. Aus gemachten (negativen) Erfahrungen im Umgang mit sporadischen Fehlern vereinbarte die Werkstatt mit dem Kunden, den Wagen über mehrere Tage zu beobachten, um die Fehlerursache sicher finden und den Mangel ebenso sicher abstellen zu können.

Obwohl der Werkstatt das verbaute Antriebsaggregat, ein 16-Ventiler mit elektronischer Zylinder-Einzeleinspritzung, als zuverlässig und ohne größere Macken bekannt war, sichtete der Werkstattmeister vor Reparaturbeginn zuerst einmal routinemäßig die Serviceliteratur. Einzig der Impulsgeber am Schwungrad war für das betreffende Baujahr bei diesem Motorkennbuchstaben als mögliche Ursache für die vorliegende Beanstandung eingetragen. Bei der Auslese des Fehlerspeichers war allerdings -wie so oft!- das angesprochene Bauteil nicht abgelegt. Dennoch entschied sich der Servicetechniker für den Austausch des relativ ungünstig verbauten Impulsgebers. Nach der nachfolgenden Probefahrt zeigte sich aber keine eindeutige Verbesserung des Leerlaufverhaltens. Und das Absterben bei Lenkvolleinschlag war ebenfalls noch vorhanden. In allen übrigen Drehzahlbereichen, unter Last, beim scharfen Beschleunigen oder im Schiebebetrieb lief der Motor nach wie vor einwandfrei. Die Werkstatt entschloss sich, die Leerlaufstabilisierung nach Reparaturleitfaden zu überprüfen. In diesem Zusammenhang las sie die relevanten Messwerteblöcke aus und führte, obwohl die Adaption mit ''i.O.'' angegeben wurde, eine Grundeinstellung der Drosselklappensteuereinheit, wie im Handbuch beschrieben, mit dem Diagnosegerät durch -allerdings ohne Besserung des Leerlaufbildes. Auch eine Vier-Gas-Analyse am AU-Tester brachte die Werkstatt nicht weiter.

Da die Werkstatt von früheren -meist vorschnellen und unnötigen- Steuergeräte-Tauschaktionen wusste, dass man gut daran tut, auch noch alle anderen, auch die auf der ''mechanischen Seite'' möglichen Fehlerquellen abzuchecken, führte sie eine ''verschärfte'' Sichtprüfung aller relevanten Bauteile inklusive der Kabelstränge und der Unterdruckverschlauchung durch. In diesem Zuge sollte auch das ordnungsgemäße Öffnen und Schließen sowie der mechanische und werksjustierte Endanschlag der Drosselklappe geprüft werden. Dazu demontierte der Servicetechniker das Luftfiltergehäuse. Dabei stellte er ein durch Öldämpfe (aus der Kurbelgehäuseentlüftung) völlig veröltes Drosselklappenteil fest. Die klebrigen Ölablagerungen, die z.T. schon richtig angebacken waren, verengten den Leerlaufspalt der Drosselklappe derart, dass dem Motor die Leerlaufluft regelrecht ''abgeschnürt'' wurde. Damit war auch klar, dass kein elektrischer Fehler vorliegen konnte, sondern dies die Ursache war. Der Servicetechniker demontierte die Drosselklappeneinheit und reinigte sie gründlich. Nach der Wiedermontage mit neuen Dichtungen überprüfte er sicherheitshalber noch einmal die Grundeinstellung mit dem Tester und konnte anschliessend den Werkstattauftrag mit einem Haken in der Rubrik ''Probefahrt durchgeführt, Fehler behoben'' an den Servicerberater übergeben.

Sensibilisiert durch diesen Vorfall achtet die Werkstatt seitdem bei sämtlichen Wartungen, die einen Luftfilterwechsel beinhalten, besonders auf Ölablagerungen in diesem Bereich, die je nach Laufleistung und Einsatzbedingungen (z.B. hoher Kurzstreckenanteil -> vermehrte Kondensatbildung)unterschiedlich stark ausfallen können. Wo es nötig erscheint, bietet die Werkstatt dem Kunden die vorsorgliche Reinigung für einen geringen Mehraufwand innerhalb der Inspektion an.