Das ''kleine Problem'', das der Kunde an seinem Mittelklassewagen mit der Zentralverriegelung hatte, bestand darin, dass die Fernbedienung seit einigen Tagen schon nicht mehr funktionierte, sprich ein Auf- und Abschließen per Handsender nicht mehr möglich war. Nach Ansicht des Werkstattmeisters rührte das Problem aus der ''abhanden gekommenen'' Synchronisation zwischen Schlüsselsender und ZV-Steuergerät her. Ein Fehler, der hin und wieder aus unerklärlichen Gründen bei diesem Fahrzeugtyp vorkam. Mit wenigen Handgriffen synchronisierte er den Handsender neu, allerdings ohne den gewünschten Erfolg.

Nun mußte der Servicetechniker ran: exakt nach Werksvorschrift nahm er die Neuprogrammierung der Anlage inklusive Anlernen aller vorhandenen Schlüssel vor. Sicherheitshalber fragte er noch die Messwerteblöcke der gesamten ZV ab und führte zusätzlich noch eine Stellglieddiagnose durch, bei der u.a. die Ansteuerung der verschiedenen Stellelemente, Kontaktschalter, Sensoren und auch das Signalhorn angesprochen wurden. Hierbei stellte er fest, dass in dem betreffenden Anzeigefeld für ''Zündung aus'' noch eine permanente Restspannung von 2V vom Steuergerät erkannt wurde. Dies führte dazu, dass die Funktion Funkfernbedienung nicht möglich war, weil vom Steuergerät ein steckender Zündschlüssel ''erkannt'' wurde.

Aufgrund der Erfahrung kam als wahrscheinlichste Fehlerursache der Zündanlassschalter in Betracht. Die Werkstatt baute also das alte Zündkontaktteil aus und ersetzte es gegen ein neues. Bei der anschließenden Überprüfung mit dem Diagnosetester erzielte der Servicetechniker den geforderten Wert ''0V'', was bedeutete, dass der Erkennungsschalter im neuen Kontaktteil ordnungsgemäß funktionierte. Damit war auch funkferngesteuertes Auf- und Abschließen möglich. Doch leider nur für kurze Zeit.

Am nächsten Tag stand der Kunde mit der gleichen Beanstandung wieder in der Annahmehalle. Beim Einfahren in die Werkstatt fiel dem Servicetechniker eher zufällig das aufwändige Zubehörradio auf, das der Kunde nachträglich hatte einbauen lassen.
Da der Diagnosetester wieder die schon vom Vortag bekannte 2V Spannung bei ausgeschalteter Zündung anzeigte, wurden reihum alle möglichen Schaltkreise entfernt, die unmittelbar am Zündanlassschalter anlagen bzw. für die Steuerung der ZV relevant waren.
Erst beim Abklemmen des Radio-Anschlusses fiel der Spannungswert auf Null. Somit war als Verursacher das Zubehörradiogerät ermittelt. Die genauere Überprüfung des Gerätes ergab, dass nach Ausschalten der Zündung vom Gerät an einen Pin die ominöse 2-V-Restspannung angelegt und über den Kabelstrang an den Zündanlassschalter geleitet wurde und dort die Störung der ZV hervorrief. Weiter ergab die Überprüfung, dass der fahrzeugseitige Originalradiostecker zwar exakt in die Anschlussleiste des ''Fremdradios'' paßte, diese allerdings anders als bei den Werksradios codiert war.

Nach dem ordnungsgemäßen Anklemmen des Radios (gemäß Anleitung) von Dauerplus auf Klemme 15 war das Problem behoben und der Kunde wieder zufriedengestellt. Die Lehre, die die Werkstatt aus diesem ''Fall'' gezogen hat: Bei dem heutigen Stand der Technik gilt ganz besonders: ''Kleine Ursache - große Wirkung''. Aber auch: ''Augen auf und Gehirn einschalten bei der Fehlersuche''.