''Die Kupplung trennt nicht mehr richtig'', so lautete die Beanstandung des Werkstatt-Kunden an seinem älteren Mittelklassewagen. Bei der Annahme stellte der Werkstattmeister fest, dass das Kupplungsspiel weit über zwei Drittel des Pedalwegs ausmachte. Da das Fahrzeug noch mit einem herkömmlichen, d.h. nachstellbaren Kupplungsseil ausgerüstet war, stellte die Werkstatt zuerst das Spiel ordnungsgemäß ein und war sicher, damit das Problem beseitigt zu haben.

Nach kaum zwei Wochen und nur 500 km später stand der Kunde mit demselben Problem wieder auf dem Werkstatthof. Wieder stellte der Meister ein viel zu großes Kupplungsspiel fest. ''Kupplung eindeutig verschlissen'', lautete seine Diagnose. Nachdem das Getriebe ausgebaut und die Kupplung freigelegt war, mußte die Werkstatt erstaunt feststellen, dass die Mitnehmerscheibe für die zurückgelegte hohe Laufleistung in sehr gutem Zustand war. Und weder Druckplatte noch Ausrücklager wiesen abnormale Verschleißspuren auf, die das zügige Vergrößern des Kupplungsspiels erklärt hätten.

Was war also die Ursache? Bei der Überprüfung des Ausrückmechanismus mit den Lagerbuchsen, der Ausrückklauen und dem Ausrückhebel an sich fand die Werkstatt schließlich die Ursache: Der Ausrückhebel, an dem das Kupplungsseil eingehängt wird, hatte sich auf der Keilverzahnung der in Getriebe führenden Ausrückwelle verdreht. Der werkseitig zur Verdrehsicherung angebrachte Schweißpunkt war stark korridiert und wies einen deutlichen Anriss auf. Da die Keilverzahnung schon stärkeren Schaden genommen hatte, erneuerte die Werkstatt den Ausrückhebel. In eingebautem Zustand des in Fahrtrichtung liegenden Getriebes wäre dieser Fehler nur schwer festzustellen gewesen, was die Werkstatt dem Kunden zu ihrer Entlastung auf der Hebebühne auch plausibel machen konnten.