'Neulich hatte eine Werkstatt einen interessanten Fall, der nur mit etwas Glück zu lösen war. Der Kunde bemängelte bei seinem Kleinwagen einen über die Zeit merklich schlechter werdenden Motorlauf, der damit endete, dass der Motor schliesslich überhaupt nicht mehr ansprang. Nachdem das Fahrzeug in die Werkstatt geschleppt wurde, wurde zuerst die Kundenbeanstandung überprüft, mit dem Ergebnis, dass der Anlasser drehte, der Motor aber tatsächlich nicht ansprang. Batterie und Starter konnten somit als Verursacher zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

Es folgte der übliche Prüfablauf: Nach eingehender Sichtprüfung des gesamten Motorraums auf lose oder abgerutschte Steckverbindungen oder durchgebissene Kabel (Marder) fragte die Werkstatt den Fehlerspeicher ab. Wieder einmal war kein Eintrag vorhanden. Da bei diesem Fahrzeugtyp die Einspritzanlage vom Zündsystem getrennt ist, wurde zuerst der Zündungstester angeschlossen, um zu prüfen, ob der Fehler vielleicht im Bereich der Zündanlage zu suchen sei. Allerdings ohne Erfolg. Um sicher zu gehen, wurden sowohl Primär- als auch Sekundärseite der Zündanlage bewertet. Das Zündbild bei Starterdrehzahl zeigte im Oszilloskopbild allerdings keinen Fehler.
Daran anschließend widmete sich die Werkstatt der Einspritzanlage. Da es sich in diesem Fall um eine Mono-Jetronic handelte, wurde zuerst das Zentral-Einspritzventil auf Funktion geprüft. Bei Starterdrehzahl wurde beobachtet, ob eine Einspritzung überhaupt stattfand. In diesem speziellen Fall blieb sie aus. Deshalb wurde mit dem Diagnosetester ein Stellgliedtest durchgeführt. Das Einspritzventil reagierte wie vorgeschrieben durch deutliches Schnarren beziehungsweise Klicken. Während des Stellgliedtests fiel auf, dass die Kommunikation mit dem Motortester des öfteren zusammenbrach. Bei der Parameterüberprüfung wurde am Steuergeräteeingang nur eine Spannung zwischen 4 und 5 V festgestellt.
Es folgte die Überprüfung der Spannungsversorgung des Steuergeräts. Auf den ersten Blick gaben aber weder die Zuleitungen noch die Pins im Anschlussstecker Grund zur Beanstandung. Auch die mit dem Multimeter gemessene Spannungsversorgung über den Zündanlassschalter war in Ordnung. Versuchsweise wurde das Steuergerät geöffnet, um die Platine genauer inspizieren zu können. Hier wurde die Werkstatt endlich fündig: Die Hauptplatine hatte sich aus ihrem Sitz gelöst und kam mit dem Alugehäuse in Kontakt. Im Laufe der Zeit hatte sich bereits der isolierende Schutzbelag auf den Lötpunkten durchgescheuert, so dass es zum Masseschluss mit dem Gehäuse kommen konnte. Nach dem ordnungsgemäßen Zusammenbau des Steuergeräts startete der Motor wieder anstandslos.

Auch wenn solche Fehler und die Art deren Behebung nicht gerade alltäglich sind, zeigt sich jedoch wieder einmal, dass die Parameterdarstellung ein wichtiges Instrument ist, um eine sichere Eingrenzung des Fehlers zu ermöglichen. Zudem hatte die Werkstatt  -bzw. der Kunde-  Glück, dass bei diesem Masseschluss das Steuergerät keinen Schaden genommen hatte.