So ein Phänomen hatten wir bisher noch nicht erlebt:
Neulich wollten wir einen Abgastest an einem 280 SL durchführen, der Anfang der 80er Jahre vom Band lief. Wir öffneten die Fahrertür, um die Anzeige des Drehzahlmessers mit der des Testgerätes zu vergleichen.
Als wir sie dann wieder ins Schloss fallen ließen, stieg der CO-Wert schlagartig auf über 6 Prozent an. An einer Fehlmessung des Abgastesters konnte es nicht liegen, denn das Ansteigen der Leeraufdrehzahl bestätigte die Anfettung des Gemisches. Nach ca. 30 Sekunden stabilisierten sich CO-Wert und Leerlaufdrehzahl wieder auf das vorher eingestellte Maß.
Wir wiederholten das Spielchen noch ein paar Mal – immer mit dem gleichen Effekt. Dem Kunden war dieser Fehler noch nie aufgefallen, da er die Fahrertüre gewöhnlich bei stehendem Motor öffnete und wieder schloss.
Doch so wollten wir ihn nicht weiterfahren lassen und überlegten, wo der Fehler herkommen könnte. Das Fahrzeug ist nachträglich mit einer Alarmanlage und einer Lambda-Regelung für die K-Jetronic nachgerüstet worden. Aus dieser Ecke vermuteten wir den Fehler.
Erst dachten wir an einen Wackelkontakt durch Vibrationen, die durch das Schließen der Türe verursacht wurden.
Doch wir fanden recht schnell heraus, dass das Betätigen der beiden Türkontakte ausreichte, um den Fehler zu simulieren.
So vermuteten wir einen Zusammenhang zwischen Alarmanlage (die wird ja durch die Türkontakte ausgelöst) und Steuergerät für die Lambdaregelung.
Wir ließen uns vom Kunden den Schaltplan des nachgerüsteten Abgasreinigungssystems aushändigen und überprüften noch einmal alle Anschlüsse. Doch wir konnten weder einen Fehler, noch einen Zusammenhang mit der Alarmanlage finden.
Die Ursache für das Anfetten des Gemisches fanden wir heraus:
Beim Betätigen des Türkontaktes veränderte sich das Signal des Taktventils, der Steuerdruck wurde abgesenkt und zwangsläufig erfolgte dann die Gemischanfettung.
Doch was veränderte nur das Signal des Taktventils?
Nach langem Überlegen und Probieren konnten wir die Funktion des Steuergerätes für die Lambdaregelung entschlüsseln:
Es regelte das Abgas allein in Abhängigkeit der Lambdasondenspannung und des Signals vom Vollastschalter. Da es sonst über keine weiteren Informationen über den Motorzustand verfügte, fettete es das Gemisch grundsätzlich bei jedem Einschalten der Zündung an – quasi als Startanreicherung. Eine Anfettung des Gemisches konnte also nur von einer Spannungsunterbrechung an Klemme 30 oder Klemme 15 herrühren.
Also prüften wir auch diese zwei Spannungen und betätigten gleichzeitig die Türkontakte. Dabei konnten wir an der Klemme des Steuergerätes, wo Dauerstrom anliegen sollte, nur dann eine Spannung messen, wenn eine Tür geöffnet oder die Zündung eingeschaltet war.
Bei einer näheren Untersuchung der Anschlüsse an der Zentralelektrik stellten wir fest, dass die Spannungsversorgung für das Steuergerät irrtümlich an der Sicherung für die elektrischen Fensterheber abgegriffen wurde.
Wir klemmten es an Klemme 30 um – und plötzlich war der Fehler weg.
Jetzt wollten wir es aber genau wissen und besorgten uns einen Schaltplan der elektrischen Anlage. Dabei stellten wir fest, dass die Fensterheber über eine von zwei Relais gesteuerte Komfortschaltung mit Spannung versorgt wurden. Diese Komfortschaltung ermöglichte die Betätigung der Fensterheber bei eingeschalteter Zündung oder bei einer geöffneten Tür.
D. h., je nach Stellung des Türkontaktschalters diente entweder das eine oder das andere Relais als Schalter für die Spannungsversorgung.
Jetzt wurde uns auch die Fehlerursache klar.
Durch das Umschalten zwischen den Relais war am Steuergerät für die Lambdaregelung kurzzeitig eine Spannungsunterbrechung vorhanden.
Auch wenn sie nur Bruchteile einer Sekunde andauerte, reichte es aus, um eine Neuinitialisierung des Steuergerätes und somit eine Anfettung (Startanreicherung) zu bewirken.
Doch warum hatte der Monteur vor drei Jahren, als der G-Kat eingebaut wurde, gerade diese Klemme an der Zentralelektrik ausgewählt?
Wir konnten es uns nur so erklären:
Die Kabel, die schon ab Werk dort angeschlossen wurden, waren rot (was auf Dauerplus hinweist) und er musste bei geöffneter Türe arbeiten – also lag in dem Moment als er das Kabel verlegte, dort eine Spannung an.

Und was lehrte uns dieser Fall?
Für jeden Zubehöreinbau gilt: Dauerplus ist nicht gleich Dauerplus!