Mit brennender Motorkontrollleuchte rollte kürzlich ein Kunde mit seinem halbjährigen Geländewagen auf unseren Werkstatthof.
Mir dem verärgerten Hinweis, dass es bei seinen beiden Vorgängerfahrzeugen nie Probleme gab, ging es mit unserem Servicebrater zum Annahmegespräch. Dabei kristallisierte sich heraus, dass ab einer Geschwindigkeit von ca. 120 km/h die Motorleistung des Dieselmotors deutlich nachließ und in der Folge die Diagnoselampe mit dem „Engine“- Symbol aufleuchtete.
Auf einer gemeinsamen Autobahnprobefahrt konnte unser Reparaturannehmer den geschilderten Fehler nachvollziehen.
Mit dem Argument, über die entsprechenden Diagnosemöglichkeiten, sprich Servicetechniker und Fehlerspeicherauslesegerät, zu verfügen und so den Fehler „schnell und sicher“ finden zu können, wurde der Gewährleistungsauftrag erstellt und der verärgerte Kunde beruhigt.

Der ausgelesene Fehlereintrag wies auf ein defektes Spritzverstellermagnetventil an der elektronisch geregelten Radialkolben-Verteilereinspritzpumpe hin. Unser Servicetechniker löschte den Fehlerspeicher und kontrollierte laut Werkstattanleitung das Magnetventil und den dazugehörigen Spritzverstellersensor (Potenziometer), ohne jedoch auf einen plausiblen Fehler zu stoßen.
Auf der anschließenden Probefahrt mit „sauberem“ Fehlerspeicher kam es bei der vom Kunden angegebenen Geschwindigkeit nach ca. einer Minute Fahrzeit wieder zum Aufleuchten der Diagnoselampe und zum Fehlereintrag.
Zurück in der Werkstatt führte eine Kontrolle sämtlicher Kabelstränge und -verbindungen auf Unterbrechung, Kurzschluss, Wackelkontakt oder Korrosion und dergleichen wiederum zu keinem greifbaren Ergebnis. Nun war nochmaliges intensives Studieren der Werkstattliteratur angesagt.
Diese besagte, dass „unser“ Fehler z. B. bei einer Abweichung der Ausgangsspannung des Potentiometers (Istwert) von über 1 V zu dem vom Motorsteuergerät berechneten und ausgegebenen Sollwert gesetzt wird. Auf einer weiteren Probefahrt mit angeschlossenem Tester stellten wir dann auch fest, dass das Ausgangsspannungssignal des Spritzverstellersensors bei der beanstandeten Geschwindigkeit gegenüber dem vorgegebenen Sollwert des Steuergerätes deutlich kleiner ausfiel.

Wo lag also die Ursache dafür?

Nach kurzer Überlegung und Beschäftigung mit der Funktion des Einspritzsystems hatten wir die Erklärung für dieses Phänomen parat:
Wie bei allen Verteilereinspritzpumpen wird auch bei den elektronisch geregelten die Spritzverstellung vom Pumpeninnendruck bestimmt, trotz Modellierung durch das elektrische Verstellermagnetventil.
Fällt dieser Innendruck – aus welchem Grund auch immer – ab, wird der Verstellkolben durch die Verstellfeder zurückgefahren. Dies erklärt gleichzeitig auch den auftretenden Leistungsverlust. Nach einer Überprüfung der Kraftstoff-Saugseite der Einspritzanlage war die Fehlerursache relativ schnell gefunden: Ein teilweise zugesetztes Kraftstofffilter (vermutlich durch verunreinigten Dieselkraftstoff) beeinflusste ab der angegebenen Fahrgeschwindigkeit – und der damit verbundenen hohen Motorlast – die für die Aufrechterhaltung des Pumpeninnendruckes notwendige Fördermenge derart, dass die Leistung abfiel und das EDC-Steuergerät einen Fehler erkannte.
Nach Filterwechsel und Fehlerspeicherlöschung lief der Off-Roader wieder anstandslos und wir konnten wieder einmal einen zufriedenen Kunden „verbuchen“.

Für künftige Fehlersuchen bleibt uns aus diesem Praxisfall (wieder einmal) die Erkenntnis, dass trotz moderner Diagnosetechnik kein Weg an einer tiefschürfenden Systemkenntnis vorbeiführt!