Unser Kunde bemängelte häufig auftretende Drehzahlschwankungen an seinem Neuwagen. Diese Schwankungen machten sich zum Teil so stark bemerkbar, dass der Motor bei Annäherung an die Leerlaufdrehzahl regelrecht ausging. Unmittelbar danach konnte der Motor ohne Probleme wieder gestartet werden.
Als erste Maßnahme lasen wir den Fehlerspeicher aus.
Es waren eine ganze Reihe von Fehlern abgelegt, eine „vernünftige“ Diagnose konnte darauf allerdings nicht aufgebaut werden. Zur Dokumentation druckten wir die Fehler aus und löschten den Speicher. Anschließend leiteten wir die Stellglied- Diagnose ein, bei der sämtliche von der Eigendiagnose erfassten Komponenten über den Prüfmodus „Selbsttest“ hintereinander angesteuert werden und durch Klicken, Schnarren o. ä. ihre tadellose Funktion kundtun. Bei diesem Test zeigte sich keine Fehler.
Die anschließende Sichtprüfung der Bauteile mit den dazugehörigen Kabelsträngen brachten uns ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Nach einer ausgiebigen Probefahrt wurde uns über die Eigendiagnose ein defekter Motordrehzahlgeber signalisiert. Nach dem Studium des Reparaturleitfadens war allerdings klar, dass dieser nicht die Ursache für Beanstandung sein konnte:
Bei dem betreffenden Fahrzeug waren zwei Drehzahlgeber verbaut, einer an der Kurbelwelle und einer an der Nockenwelle. Aus deren Signalen wird im Steuergerät der Mittelwert gebildet und weiterverarbeitet. Beim Ausfall des einen übernimmt also der noch intakte dessen Funktion. Daraus könnten vermutlich Drehzahlschwankungen resultieren, die jedoch nicht das Absterben des Motors herbeiführen. Sicherheitshalber ersetzten wir den Drehzahlgeber. Nach der obligatorischen Probefahrt war dann auch kein Fehler mehr abgelegt und der Motor lief tadellos.
Drei Wochen später kam unser Kunde allerdings wieder in die Werkstatt und erklärte, dass er während seines zwischenzeitlichen Urlaubs auch keine derartigen Problem mehr hatte. Aber bei der ersten Fahrt ins Geschäft wurde er wieder mit einem ausgehenden Motor konfrontiert. Die beschriebenen Symptome waren die gleichen und auch der Fehlerspeicherausdruck zeigte die bekannten Einträge. Jetzt fuhr unser Meister mit dem Kunden gemeinsam dessen „Heimstrecke“ ab.
Und tatsächlich: An einem Bahnübergang fiel die Drehzahl weit unter Normalniveau ab, fast bis zum Ausgehen! Wir versuchten deshalb, durch schnelles und langsames Überqueren der Schienen dieses Phänomen zu provozieren, um zu sehen, ob diese Fahrbahnunebenheiten mit dem Fehler unmittelbar im Zusammenhang standen. Und tatsächlich: Die kurzen Erschütterungen beim Überfahren der Schienen brachten den Motorlauf aus dem Konzept.
Wieder in der Werkstatt, überprüften wir nochmals sämtliche Steckverbindungen auf Festsitz und lösten das Motorsteuergerät aus seiner Verankerung. Durch Schütteln und Klopfen simulierten wir die Fahrbahnunebenheiten und konnten so die Drehzahlschwankungen bzw. das Absterben eindeutig nachvollziehen. Der Fehler war also eindeutig dem Steuergerät zuzuordnen und nach dem Austausch desselben dann auch dauerhaft behoben.