Dass ältere Dieselmotoren im Winter Startschwierigkeiten bekommen, ist nichts Neues. Dass dieses Problem jedoch mit dem Motorenöl zusammenhängen kann, wurde uns wieder in Erinnerung gerufen, als wir neulich einen französischen Mittelklassewagen mit Selbstzünder in unserer Werkstatt hatten. Dessen Besitzer bemängelte ein schlechtes Anspringverhalten des Motors bei Minusgraden.
Routinemäßig prüften wir an dem Vierzylinder Kompression, Einspritzdüsen und Vorglühanlage.Trotz seiner stolzen Laufleistung war der Verdichtungsdruck noch akzeptabel, Einspritzdüsen und Vorglühanlage verrichteten ihren Dienst ordnungsgemäß.
Doch am nächsten Morgen, nachdem das Auto über Nacht draußen stand, wollte der Diesel wieder nicht anspringen – wie der Kunde erneut reklamierte. Der Motor drehte während des Startvorganges recht müde durch, erst als wir der Batterie Überbrückungshilfe leisteten, ließ er sich nach langem „Orgeln“ mühevoll starten. Wir dachten, dass die Glühkerzen vielleicht nicht mehr die besten seien, obwohl die am Vortag gemessene Stromaufnahme in Ordnung war.
Also erneuerten wir die Glühkerzen, luden die Batterie und ließen den Wagen bis zum Abend in der Kälte stehen. Gebracht hatte der Aufwand aber nichts – der Motor sprang nämlich genau so mühevoll wie am Morgen an. Zufällig zog unser Meister den Messstab, um den Ölstand zu überprüfen. Dabei fiel ihm auf, dass das Öl zähflüssig und dick wie Honig war.
Nachdem wir den Motor wieder zum Laufen gebracht hatten, ließen wir ihn warmlaufen und führten einen Ölwechsel durch. Mit frischem Öl versehen ließen wir den Wagen über Nacht erneut in der Kälte stehen. Und siehe da, als wir am nächsten Tag nach dem ersten Vorglühvorgang starteten, sprang der Motor schon nach ein paar Umdrehungen an. Die Ursache dafür ist schnell erklärt:
Das Motorenöl hat nicht nur die Aufgabe zu schmieren, sondern auch abzudichten. Da die zähflüssige Masse beim Kaltstart nicht schnell genug an die Kolbenringe gelangte, reichte die Kompression trotz Verglühung nicht für eine Selbstzündung aus.
Ein Druckverlust- Test hätte uns außerdem schneller zur Ursache geführt.