Ein Kunde, der vor ca. einem Jahr einen neuen Kompaktwagen mit Klimaanlage gekauft hatte, rief bei uns an und bemängelte, dass seit einiger Zeit der Kühlerlüfter bei eingeschalteter Zündung dauernd lief. Routinemäßig fragte unser Servicemeister den Kunden ab, ob er denn die Klimaanlage angeschaltet hätte. Dies verneinte unser Kunde, ohne zu zögern.
Wir vereinbarten deshalb für den nächsten Tag einen Reparaturtermin, um die Ursache für den „Dauerlauf“ zu ermitteln. Beim Annahme-Check konnte der Kompaktwagenbesitzer den Mangel eindeutig vorführen. Da bei diesem Fahrzeugtyp der Lüftermotor direkt vom Motorsteuergerät angesteuert wird, schlossen wir unser Diagnosegerät an in der Hoffnung, im Fehlerspeicher bzw. dem Messwerteblock für den Wassertemperatursensor die Ursache für die Beanstandung zu finden. Leider Fehlanzeige: Der Fehlerspeicher war leer und die abgegebenen Werte des Temperaturfühlers im i. O.-Bereich. Das Aufrufen sonstiger relevanter Parameter gemäß Reparaturleitfaden – insbesondere die Abfrage des Aktivitätszustandes der Klimaanlage –, brachte aber auch keine verwertbaren Ergebnisse. So versuchten wir anhand des motorspezifischen Schaltplanes, das Problem einzugrenzen.Verblüfft stellten wir fest, dass das Relais für die Lüfteransteuerung vom Motorsteuergerät mit Masse versorgt wurde und somit für den Lüfteranlauf verantwortlich war. Ergo – so war unser Gedankenschluss – kam eigentlich nur das Steuergerät selbst oder ein Sensorsignal, das bei der beschriebenen Parameterabfrage nicht berücksichtigt wird, als Übertäter in Betracht. Da wir zum Ausprobieren leider kein passendes Motorsteuergerät zur Hand hatten, zogen wir zuerst den Stecker des vierpoligen Druckschalters der Klimaanlage ab, was der Lüfter mit sofortigem Stehenbleiben quittierte. Bei genauer Sichtprüfung von Druckschalter und Anschlusssteckern fiel uns auf, dass unter der steckerseitigen Gummischutzkappe deutliche Spuren von Feuchtigkeit zu finden waren. Nach Ausblasen von Stecker und Kontakten und einem vorsorglichen Spritzer Kontaktspray lief der Kühlerlüfter nach dem Aufstecken bei eingeschalteter Zündung nicht mehr an. Beim Übergabegespräch mit dem Kunden stellte sich heraus, dass er unmittelbar vor dem ersten Fehlerauftreten an der Tankstelle eine Motorwäsche mit dem Hochdruckreiniger hatte durchführen lassen. Somit war uns klar, dass durch das eingedrungene Wasser im Druckschalteranschluss ein Kriechstrom zustande kam, welcher dem Einspritzsteuergerät einen zu hohen Druck in der Klimaanlage vorgaukelte. Dieses reagierte seinerseits mit der Lüfteransteuerung, obwohl dem Steuergerät eigentlich keine Klimakompressoranforderung vorlag.