Wassereintritt in beiden vorderen Fußräumen lautete die Kundenangabe bei einem fast neuen Fahrzeug.
Es folgen die üblichen Arbeitsgänge:
Bodenbeläge teilweise demontieren und trocknen, sowie Dichtheitsproben durch Abspülen und Abspritzen. Außerdem wurden zusätzlich an den bekannten Problemstellen Kontrastmitteltests durchgeführt. Eine Leckage, die diese Mengen von Wasser im Fahrzeug rechtfertigte, war nicht auszumachen. Wir bauten die Bodenteppiche und Fahrzeugsitze also wieder ein und baten die Kundin, bei Regenwetter noch einmal vorbei zu schauen, damit wir überprüfen konnten, ob im Fahrzeuginneren wieder Wasserlaufspuren sichtbar wurden. Es folgte eine wochenlange, warme Trockenperiode ohne einen einzigen Regentropfen. Unsere Kundin erschien aber bereits nach ca. einer Woche mit völlig durchtränkten Bodenteppichen wieder. Jetzt war daher klar: der Wassereintritt musste etwas mit dem Kondenswasserablauf der Klimaanlage zu tun haben. Nach Rücksprache mit der Produktbetreuung bekamen wir die Anweisung, den Wasserablauf der Klimaanlage zu prüfen und evtl. zu verlängern, sodass das anfallende Wasser einwandfrei nach außen gelangen konnte. Die nötigen Arbeiten wurden durchgeführt und der Wasserabfluss funktionierte jetzt einwandfrei. Nach weiteren acht Tagen, und immer noch trockenem Wetter, war „unser Fahrzeug“ wieder da:
mit wassergefüllten Bodenwannen und durchtränkten Teppichen. Jetzt wurde es richtig ernst, die Kundin wollte das Fahrzeug nicht mehr haben. Uns lief die Zeit davon, und wenn wir den Fehler diesmal nicht endgültig beseitigten, wohl auch die Kundin! Woher kam das Wasser nur in solchen Mengen? Wir entschlossen uns zu einem „Generalangriff“:
die Kundin bekam einen Ersatzwagen und sollte ihr Auto erst wieder zurückerhalten, wenn wir sicher waren, dass dieses nun hundertprozentig dicht war. Das Armaturenbrett, die Dämmungen, die Sitze usw., alles wurde ausgebaut; anschließend lief das Fahrzeug mit eingeschalteter Klimaanlage auf höchster Stufe im Leerlauf. Wir hofften dadurch, den Wassereintritt zu entdecken. Das Wasser floss aber nur in geringen Mengen vorschriftsmäßig aus dem Ablauf. Es musste also noch etwas anderes sein! Um den normalen Fahrbetrieb zu simulieren, wurde das Lenkrad montiert und eine ausgiebige Probefahrt unternommen – ohne jegliche Einbauten und Instrumente –, nur die Klimaanlage mit dem Gebläsekasten war noch fest installiert. Bei dieser Probefahrt – eigentlich durch Zufall – kamen wir dann auf den tatsächlichen Fehler und seine Ursache:
während des Probeablaufes war die Klimaanlage auf größte Kühlung eingestellt und produzierte sehr wenig Kondenswasser, das durch den Ablauf problemlos ablief. Bei der Probefahrt war die Kälte vom Fahrer nicht mehr auszuhalten, so wurde zwischendurch auf „Warm“ umgestellt, und dann zeigte sich Wassereintritt in größeren Mengen!
Der Verdampfer taute durch die Wärme ab und produzierte nun soviel Kondenswasser, dass es durch einen Riss in den Gebläsekasten gelangte und durch den Fahrbetrieb in den Fahrgastraum gedrückt wurde.