Neulich brachte ein sichtlich genervten Besitzer eines Opel Sintra seinen Wagen in unsere kleine freie Werkstatt.
Er erzählte uns, dass er wegen eines Problems an seinem Fahrzeug bereits mehrere Werkstätten aufgesucht hatte, diese ihm aber nicht helfen konnten. Wie wir das immer machen, füllten wir auch in diesem Fall ein selbst entworfenes Formblatt aus, mit dessen Hilfe wir nach einem festen Schema ermitteln, was wann, wie, wo, zu welcher Zeit, zu welchen Wetterbedingungen usw. passiert ist.
So kommen wir zwangsläufig mit dem Kunden ins Gespräch über das Fahrzeug, was uns in der Vergangenheit schon viel Arbeit erspart hat. Folgendes Problem lag also vor:
Seit einiger Zeit habe der Sintra eine Leerlaufdrehzahl von ca. 1200/min. Es seien keine Fehlercodes gespeichert.
Trotzdem habe ein Tausch des Steuergerätes (den der Kunde bezahlen musste), des Drosselklappenpotenziometers, des Leerlaufreglers sowie der Temperatursensoren stattgefunden. Diese Aktionen hätten aber nichts gebracht. Interessanterweise wurde sogar der Temperaturgeber für die Anzeige im Armaturenbrett erneuert, der aber bei diesem Modell nichts mit der Motorsteuerung zu tun hat. Nach einer ersten Prüfung bestätigten sich die Aussagen des Kunden, es war kein Fehlercode gespeichert. Also begannen wir alle Kabelverbindungen auf einwandfreien Sitz zu überprüfen und sie mit Kontaktspray auch wirklich zu einer sicheren Kontaktierung zu bringen. Anschließend kontrollierten wir mit Messgeräten und Oszilloskop den Motorlauf sowie die Plausibilität der Daten der Geber. Alles schien in Ordnung. Doch halt, nach unserem Formblatt von der erwähnten „Befragung“ des Kunden stellten wir fest, dass die mechanischen Komponenten überhaupt nicht geprüft wurden. Daraufhin kontrollierten wir auch die Drosselklappeneinheit und den Gaszug auf Leichtgängigkeit bei ausgehängtem Gaszug. Und siehe da, plötzlich hatten wir die Leerlaufdrehzahl von ca. 750/min – also genau die, die wir wollten. Doch anscheinend fehlte ein Stück vom Gaszug zum Drosselklappenteil. War der Gaszug etwa zu kurz oder verklemmt?
Wir versuchten den Gaszug etwas herauszuziehen, der tatsächlich etwas nachgab. Aber warum?
Nach mehrmaligem Ziehen am Gaszug und abermaligem Zurückfedern kam der Meister auf die Idee, den Sitz der Fußmatte zu überprüfen. Tatsächlich lag diese auf dem Gaspedal. Dadurch konnte die Rückzugfeder des Pedals dieses nur bis zu einem bestimmten Punkt zurückziehen. Das war die Stellung der erhöhten Leerlaufdrehzahl. Wir schoben die Fußmatte vom Pedal und übergaben dem Kunden das Auto frisch gewaschen. Damit hatten wir einen zufriedenen Kunden mehr, vor allem als er unsere Rechnung sah.
Leider hatte ihn diese Kleinigkeit in den verschiedenen anderen Werkstätten fast 1 000,– € gekostet.