Der Reparaturauftrag, den wir vor ein paar Wochen bekamen, ließ uns nichts Böses ahnen. An einem Kleinwagen sollte ein Ölwechsel und eine Lenkungsunruhe beseitigt werden.
Es wurden daraufhin alle Räder demontiert und ausgewuchtet.
Anschließend machte der Kundendienstmeister mit dem Fahrzeug eine Probefahrt und stellte fest, dass die Lenkung immer noch unruhig war und außerdem das gesamte Fahrzeug bei 120 km/h stark vibrierte. Da die Reifen nicht mehr neuwertig waren, montierten wir probehalber andere Kompletträder und machten erneut eine Probefahrt. Leider hatte sich wieder nichts geändert.
Es folgte der nächste Schritt – die Gelenkwellen wurden zerlegt, gereinigt und neu gefettet. Und wieder folgte eine obligatorische Probefahrt – aber mit negativem Ergebnis. Jetzt kamen die „Erfahrungsexperten“ unserer Werkstatt zum Zuge, und jeder hatte einen guten Rat für den gestressten Mechaniker, der mit dem Fall nicht fertig wurde. Doch keiner der gut gemeinten Ratschläge brachte den erwünschten Erfolg. Natürlich hatten wir auch mit der Kundin diverse Telefonate geführt. Sie gab an, dass der Fehler erstmalig aufgetreten sei nach einer Fahrt über einen matschigen Feldweg. Doch das Fahrzeug war nirgends angeschlagen oder zeigte Spuren vom Aufsetzen.
Mittlerweile hatten wir über eine Woche mit dem Problem zu tun, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Nach und nach wurde alles aus einem anderen Fahrzeug gewechselt, was nur in Betracht kommen konnte, einschließlich dem Getriebe. Das Problem blieb unverändert. Es war einfach ein Phänomen und in unserer Verzweiflung baten wir die Produktbetreuung unseres Herstellerwerkes um Hilfe. Von dort kam in unseren Augen ein verrückter Vorschlag:
„Prüft mal den Kühlerlüfter.“
Des Rätsels Lösung war dann ganz einfach:
Auf der Fahrt durch den Feldweg hat sich Spritzschlamm auf dem Lüfterrad abgesetzt und eine Unwucht verursacht. Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h drehte sich das Lüfterrad wie eine Windmühle im Sturm und verursachte dadurch die Vibrationen, die sich auf das gesamte Fahrzeug übertrugen. Unser gesamtes Team wollte erst gar nicht glauben, dass solche Kräfte am Kühlerlüfter auftreten können. Nachdem das Lüfterrad gereinigt war, lief der Kleinwagen wieder ordnungsgemäß.