Ein Kunde beauftragte uns vor Antritt einer größeren Fahrt mit der Durchführung einer Inspektion an seinem schon etwas älteren Pkw mit luftgekühlten Boxermotor, dessen Nockenwellen mit Zahnriemen angetrieben werden. Der Auftrag wurde von uns wunschgemäß durchgeführt, besondere Schwierigkeiten traten dabei nicht auf. Auch bei der Probefahrt stellten sich keine Unregelmäßigkeiten ein. Anderntags, unmittelbar vor Antritt zu der Urlaubsfahrt, besuchte uns der Kunde noch einmal und bat um Auskunft, wo sich denn eine Maus, die er auf dem Fahrersitz gesehen hatte, im Fahrzeuginnern verkriechen könnte. Da unsere Suche erfolglos war, nahmen wir an, dass die Maus bei geöffneter Tür das Weite suchte. Dies sollte sich als eine irrige und folgenschwere Annahme herausstellen. Einige Stunden später ließ der Kunde sein Fahrzeug auf unseren Hof schleppen. Die Begrüßung fiel nicht sehr freundlich aus, der Kunde war natürlich der Meinung, wir hätten bei unserer Inspektionsarbeit nicht korrekt gearbeitet. Wie er uns mitteilte, sei der Motor blockiert, wir konnten diese Diagnose leider nur bestätigen. Der Motor wurde von uns ausgebaut und teilzerlegt.
Staunend, aber trotzdem erleichtert, konnten wir die Ursache des Motorschadens feststellen:
Es war die dünnste und längste Maus, die wir je gesehen hatten.
Sie kroch offenbar vom Fahrzeuginnern in den Austritt der Luftdüse und von dort durch das Heizungsgehäuse in die Heizungsschläuche bis zum Luftleitgehäuse. Dort legte sie sich bei Stillstand des Motors auf den Antriebsriemen zur Kurbel-Nockenwelle. Mit dem Starten des Motors geriet sie zwischen die Antriebsräder und Zahnriemen, wobei der Zahnriemen sich auf den Antriebsrädern total verstellte. Damit stimmte natürlich die gesamte Motorsteuerung nicht mehr. Bei diesem Modell hat das zur Folge, dass die Ventile krummgeschlagen und die Kolben eingedrückt werden.
Wir waren froh, ein Corpus delicti für diesen Vorfall vorzufinden, um so dem Kunden unsere Unschuld beweisen zu können.