Kürzlich rief mich ganz aufgeregt eine Kundin an und erzählte mir, dass sie einen „Platten“ habe und das Rad selbst nicht wechseln könne.
Ich bot ihr an, den Radwechsel vorzunehmen und mich auch gleich um den defekten Reifen zu kümmern. Ich wechselte das Rad und siehe da, nachdem ich alle Schrauben mit Drehmoment festgezogen hatte und das Fahrzeug starten wollte, ging nichts mehr. Was hat ein Radwechsel mit dem Anspringen eines Motors zu tun?
In der Regel nichts, aber es gibt ja Zufälle, und vielleicht sind zwei Fehler an einem Fahrzeug gleichzeitig aufgetreten, ging mir durch den Kopf. Ich untersuchte die Zündung und oberflächlich das Gemischaufbereitungssystem, eine Multipoint- Einspritzanlage. Auf die Schnelle war kein Fehler zu entdecken.
Nur fiel mir bei meinem dritten Startversuch auf, dass die Benzinpumpe, die ja beim Einschalten der Zündung für einige Sekunden hochläuft, um Druck im Einspritzsystem zu schaffen, nicht anlief. Es war mittlerweile dämmrig geworden und ich wollte das Fahrzeug schon in die Werkstatt schleppen. Vielleicht hat doch der Radwechsel mit dem Nichtanlaufen der Kraftstoffpumpe zu tun, überlegte ich. Ich untersuchte genau den Kofferraum und fand hier des Rätsels Lösung; Dieser Fahrzeugtyp war mit einem Crash-Schalter ausgestattet, der direkt unter dem Reserverad eingebaut ist. Er soll bewirken, dass bei einem Unfall die Kraftstoffpumpe nicht weiterläuft und so die Brandgefahr verringert wird. Der Schalter besteht aus einem Kugelventil, welches magnetisch in der Position Stromdurchgang gehalten wird. Bei einem schweren Schlag auf die Karosserie gibt der Magnet die Kugel frei, der Stromdurchgang wird unterbrochen und die Kraftstoffpumpe kann nicht anlaufen. Wahrscheinlich wurde durch das Hantieren im Kofferraum der Schalter ausgelöst, denn nach Drücken des Knopfes sprang der Motor sofort an und die Kundin konnte ihre Fahrt fortsetzen. Um eine Erfahrung reicher fuhr ich in die Werkstatt zurück.

Eine Lehre haben wir aus diesem Fall gezogen:
sicherlich sind viele Fehler und Fahrverhaltensmängel wie Ruckler und Zuckler zuerst in der Motorelektronik zu suchen, doch keinesfalls sollte man die mechanischen Komponenten unterbewerten.