Letzte Woche hatten wir ein zunächst unlösbar scheinendes Problem an einem Kundenfahrzeug zu beheben, was unserem Werkstatt-Personal einiges abverlangte. Der Kunde schilderte uns sein Problem folgendermaßen:
Seit einer Lackreparatur im Spätherbst hat das Fahrzeug (es handelte sich um eine Limousine mit 2,3-l- Common-Rail-Turbodiesel) eine schlechte Leistung sowie auffallenden Schwarzrauch bei Volllast.
Vor Beginn der Arbeiten führten wir eine Probefahrt durch, bei der wir die beschriebenen Symptome zweifelsfrei feststellen konnten. Ab ca. 3.500/min kam es zu massivem Schwarzrauch und die Leistung brach ein. Als Erstes ging unser Dieselspezialist daran, Luftfilter und Ansaugleitungen zu prüfen. Das Luftfilter entpuppte sich als neu und die Luftansaugleitungen vom Luftfilter zum Turbolader und zum Ladeluftkühler waren in Ordnung. Als Nächstes führten wir eine Abfrage des Fehlerspeichers durch, was zu folgendem Ergebnis führte: „Keine Fehler im Fehlerspeicher und alle Istwerte entsprechen den Sollwerten.“ Unser Monteur ging nun davon aus, dass der Fehler wohl an einer defekten Einspritzdüse zu suchen sei. Es handelte sich ja um einen Common-Rail- Diesel, sodass eine Halte- bzw. Öffnungsdruckprüfung ausschied.
Zum Glück hatten wir zur gleichen Zeit ein Fahrzeug mit eben diesem Dieseleinspritzsystem in unserer Ausstellungshalle stehen, bei dem wir uns alle fünf Einspritzdüsen ausliehen, um sie unserem „Problemkind“ einzubauen. Daraufhin führten wir eine weitere Probefahrt durch, leider mit dem ernüchternden Ergebnis, dass sich an dem Fehler nichts änderte. Die Vermutung lag nahe, ob nicht vielleicht das EGR-Ventil offen steht und dem Motor nicht nur im Teillastbereich, sondern auch bei Volllastbetrieb Abgas in die Ansaugluft zuführt. Aber auch hier Fehlanzeige!
Nun beschlossen wir, nochmals das Ansaugsystem und insbesondere den Ladeluftkühler zu kontrollieren, ob nicht doch vielleicht ein Fremdkörper den Ansaugkanal verengt. Wieder ohne Erfolg.
Erst das Weglassen des oberen Luftfilterdeckels brachte die lange erhoffte Lösung.
Sobald wir den Luftfilterdeckel montierten, rauchte das Fahrzeug wieder. Leider erst jetzt schauten wir uns den Lufteinlasstrichter genauer an, der bei diesem Modell als Kunststoffblende den Kühler abdeckt (zwischen Motorhaube und Frontblech). Genau oberhalb des Einlasstrichters fehlten zwei Haltestopfen an der Geräuschdämmmatte der Motorhaube, sodass diese vom Ansaugluftstrom angezogen wurde und den Luftkanal fast verschloss.
Offensichtlich wurde die Motorhaube im abgebauten Zustand lackiert und der Lackierer hat es schlicht versäumt, die beiden Stopfen wieder anzubringen. Zwei Kunststoffstopfen für je 0,20 € waren also die Lösung unseres Problems.