Den Spruch des reklamierenden Kunden: „Das hat mein Auto erst, seit es bei Euch zur Inspektion war!“ kennt wohl jeder Kundendienstmeister.
Und mit genau diesen Worten reklamierte kürzlich ein Stammkunde das schlechte Startverhalten seines Mittelklasse- Fahrzeugs mit Diesel-Antrieb. Vorwiegend morgens und nach Motorstandzeiten über zwei Stunden sprang der Selbstzünder nur äußerst unwillig an, lief kurze Zeit unrund und musste mit mehreren Gasstößen am Leben gehalten werden. Dazu kam auch noch, dass beim Überholen sporadisch die Leistung fehlte.
Um den Fehler selbst nachvollziehen zu können, baten wir den Kunden, uns das Cabrio gegen Stellung eines Ersatzwagens nochmals zum Durchchecken zu überlassen. Und tatsächlich, am nächsten Morgen konnten die vom Kunden geschilderten Symptome einwandfrei nachvollzogen werden. Eine Sichtprüfung der Unterdruckanlage und des Ladersystems auf abgefallene oder „vergessene“ Anschlüsse und ein Auslesen des Fehlerspeichers brachten keine Ergebnisse. Da anlässlich der großen Inspektion auch das Kraftstofffilterelement ausgewechselt wurde, tippten wir zuerst auf eine Undichtigkeit im Bereich dieses Bauteils. Doch weder das Nachziehen der Schlauchschellen an sämtlichen Kraftstoffleitungen noch das anschließende Ersetzen des Filterelements brachten den erhofften Erfolg. Bei neun von zehn Startversuchen trat der Fehler auf. Um dem Phänomen auf die Spur zu kommen, bauten wir zwischen Kraftstofffilter und Einspritzpumpe ein Stück durchsichtige Kraftstoffleitung ein. Eindeutig waren bei Auftreten des Fehlers Luftblasen im Kraftstoffsystem zu sehen. Vorsorglich erneuerten wir noch den O-Ring des Thermoventils für die Dieselvorwärmung, das bei diesem Motortyp mit einer Halteklammer im Kraftstofffilter platziert ist. Die anschließende Sichtprüfung ergab jedoch anhaltenden Lufteintritt ins Kraftstoffsystem. So ersetzten wir auch noch das Vorwärmventil und siehe da:
Der Fehler war behoben. Da uns eine solche Störung bisher noch nie untergekommen war, untersuchten wir das Kunststoffteil eingehendst. Auf den ersten Augenblick konnten wir keine Beschädigung der Dichtringnut oder des Bauteils an sich feststellen. Erst das Besprühen mit einer Indikatorflüssigkeit, die normalerweise unser Karosseriespengler zur Rissprüfung von Aluminium-Schweißnähten verwendet, zeigte uns einen Haarriss an der Anbindung des Kraftstoffeinlaufstutzens zum Ventilkörper. Vermutlich hatte der Mechaniker beim Heraushebeln des meist sehr straff sitzenden Kunststoffgehäuses mit dem Schraubendreher den Stutzen angerissen. Da wir das Entlüften des System nach einem Filterwechsel ordnungsgemäß mit einem speziell dafür vorgesehenen Spezialwerkzeug durchführen (um einem Trockenlaufschaden der Verteilerpumpe vorzubeugen) und der Meister die Probefahrt unmittelbar nach Fertigstellung der Inspektion durchführte, war uns dieser Fehler nicht aufgefallen.
Selbst der Kunde bemerkte das Phänomen erst am folgenden Morgen erstmalig in seiner Garage.