Ich habe ein Problem mit meinem Fahrzeug…, so begann der Annahmedialog zwischen dem Kunden eines Fahrzeuges der oberen Mittelklasse aus japanischer Produktion und unserem Kundendienstmeister.
Unseren Hinweis, dass eigentlich der nächste Wartungsdienst längst fällig wäre, wies der Kunde mit „Zeitmangel“ ab und beauftragte uns, nur das auftretende Problem zu beseitigen. Im weiteren Gespräch beschrieb der Kunde sein Problem dann detaillierter. Beim starken Beschleunigen (z. B. an Ampeln) sei ein deutlicher Leistungsverlust zu verspüren, was jedoch bei gemächlichem Anfahren nicht der Fall sei. Durch eine Probefahrt wurden die Kundenaussagen bestätigt, danach machten wir uns an die Arbeit. Nach der Abfrage des Selbstdiagnosespeichers – hier war jedoch keine Fehlermeldung abgelegt – überprüften wir die Sensoren des Gemischaufbereitungssystems. Dabei stellte sich heraus, dass das Drosselklappensignal bei starker Beschleunigung plötzlich und auch relativ kurz auf einen niedrigen Spannungswert absank. Wir überprüften den Sensor und dessen Einstellung, doch damit war das Problem nicht beseitigt. Nun ging die Suche weiter. Wodurch wurde das Drosselklappensignal beeinflusst?
Weitere Überlegungen führten uns zum Antriebsschlupfregelungssystem. Dessen Besonderheit liegt darin, dass bei durchdrehenden Antriebsrädern das Motormoment über das Schließen der Drosselklappe mittels einer Unterdruckdose reduziert wird. Lag der Fehler also darin, dass das Antriebsschlupfregelsystem die Drosselklappe ungerechtfertigterweise kurzzeitig schloss? Aber normalerweise wird eine solcher Eingriff dem Fahrer über eine Kontrollleuchte signalisiert. Wir überprüften dies auf einer weiteren Probefahrt, doch die Kontrollleuchte blieb aus. Nun schauten wir uns die Unterdrucksteuerung des Antriebschlupfregelsystems genauer an. Hier waren zwei Magnetventile verbaut. Das Unterdruckmagnetventil steuert im Bedarfsfall Unterdruck in die Unterdruckdose ein. Gleichzeitig wird das Belüftungsmagnetventil geschlossen. Dadurch wird die Drosselklappe zurückgeholt. Im Ruhezustand ist das Unterdruckmagnetventil geschlossen und das Belüftungsmagnetventil geöffnet. Der Belüftungsschlauch mündete bei der uns vorliegenden Ausführung im Ansaugrohr zwischen Luftfilter und Drosselklappe. Bei erneuten starken Beschleunigungsvorgängen beobachteten wir nun, dass sich trotz Ruhestellung der Magnetventile in der Unterdruckdose des Drosselklappenstellers ein Unterdruck aufbaute. Dieser konnte nur vom Ansaugrohr her kommen. Jetzt ging uns ein Licht auf. Durch die starke Beschleunigung brauchte der hubraumstarke Motor viel Luft, die er aber nicht bekam. So konnte sich der Saugrohrdruck bis vor die Drosselklappe und damit ins Belüftungssystem des Drosselklappenstellers fortpflanzen. Der sich hier aufbauende Unterdruck nahm das Gas wieder zurück. Was war des Rätsels Lösung? Nach der Überprüfung des Ansaugsystems stellten wir einen stark verschmutzten Luftfilter fest. Nach dessen Wechsel war das Problem beseitigt. Hätte der Kunde die vom Hersteller vorgeschriebenen Wartungsintervalle eingehalten, wäre das Problem nicht aufgetreten.
Für uns brachte dieser Fall wieder die Erkenntnis, dass man die Dinge oft zu kompliziert angeht und dabei das Einfache übersieht.